Das Bundesfinanzgericht hat durch den Senatsvorsitzenden***SenV***, den Richter ***Ri2*** sowie die fachkundigen Laienrichter ***SenLR1*** und ***SenLR2*** in der Beschwerdesache ***Bf1***, ***Bf1-Adr***, vertreten durch ***1***, ***2***, über die Beschwerde vom 7. Oktober 2022 gegen den Bescheid des ***FA*** vom 9. September 2022 betreffend Haftung für Kapitalertragsteuer für den Zeitraum 09/2021, Steuernummer ***BF1StNr1***, nach Durchführung einer mündlichen Verhandlung am 26. Februar 2026, in Anwesenheit der Schriftführerin ***Sf***, zu Recht erkannt:
I. Die Beschwerde wird gemäß § 279 BAO als unbegründet abgewiesen.
II. Gegen dieses Erkenntnis ist eine Revision an den Verwaltungsgerichtshof nach Art. 133 Abs. 4 Bundes-Verfassungsgesetz (B-VG) nicht zulässig.
1. Am 5.1.2022 wurde ***Z*** der abgabenrechtliche Nachschauauftrag bezüglich der Einkommensteuer für den Zeitraum 01/2021 bis 09/2021 zur Kenntnis gebracht.
Im Zuge der Nachschau übermittelte das Ehepaar ***A*** dem Finanzamt eine eidesstattliche Erklärung (datiert mit 16.2.2022) und eine Sachverhaltsdarstellung (datiert mit 27.2.2022).
In der Niederschrift zur Schlussbesprechung am 6.4.2022 wird Folgendes ausgeführt:"Im Zuge des Ermittlungsverfahrens wurde hinsichtlich der erzielten Erlöse als Makler eine Abgabenhinterziehung gemäß § 33 FinStrG festgestellt. Herr ***Z*** tritt als Makler für die ***Bf1*** auf, wobei die Feststellungen der GmbH zuzurechnen sind. Es erfolgt dahingehend eine Betriebsprüfung und Festsetzung der Abgabenhinterziehung bei der ***Bf1***."
***Z*** merkte bei der Schlussbesprechung an, dass weder an ihn, noch an die ***Bf1*** eine Provisionszahlung geflossen sei.
2. Mit Haftungsbescheid vom 9.9.2022 wurde der beschwerdeführenden Partei (kurz: bP) für den Zeitraum 09/2021 Kapitalertragsteuer iHv. 9.625 Euro vorgeschrieben. Begründend wurde angegeben, dass eine Schwarzgeldzahlung iHv. 35.000 Euro als verdeckte Ausschüttung an den Gesellschafter-Geschäftsführer ***Z*** beurteilt wurde. Im Übrigen wurde auf den Bericht über die abgabenrechtliche Außenprüfung verwiesen.
3. Gegen diesen Bescheid wurde am 7.10.2022 Beschwerde erhoben und vorgebracht, dass das Parteiengehör nicht gewahrt worden sei und der Sachverhalt aufgeklärt werden könne. Es sei keine Provisionszahlung geflossen.
4. Mit Beschwerdevorentscheidung vom 15.1.2024 wurde die Beschwerde als unbegründet abgewiesen. In Würdigung der vorliegenden Unterlagen kam die Abgabenbehörde zum Schluss, dass der Zufluss der Maklerprovision in Höhe von 35.000 Euro an ***Z*** am 2.9.2021 in bar erfolgt sei und von der bP nicht als Einnahme erklärt wurde.
5. Am 11.2.2024 beantragte die bP die Vorlage der Beschwerde beim Bundesfinanzgericht und die Entscheidung durch den Senat in mündlicher Verhandlung.
6. Am 4.7.2024 legte das Finanzamt die Beschwerde dem Bundesfinanzgericht vor und beantragte die Abweisung unter Verweis auf die Begründung in der Beschwerdevorentscheidung.
7. Am16.1.2026 langte die schriftliche Zeugenaussage von ***B*** beim Bundesfinanzgericht ein und wurde am selben Tag den Verfahrensparteien nachweislich übermittelt.
8. Am 26.2.2026 fand die mündliche Senatsverhandlung statt.
1. Das Ehepaar ***A*** erlangte im Jahr 2020 im Erbweg das Eigentum an der bebauten Liegenschaft KG ***123***, in ***M***. Mit der Absicht der Veräußerung der Liegenschaft erfolgte durch Vermittlung von ***B***, der Tochter des Ehepaares, eine Kontaktaufnahme mit ***Z***. Eine schriftliche Auftragserteilung zur Vermittlung des Liegenschaftsverkaufs erfolgte nicht, aber es wurde ein mündlicher Maklervertrag geschlossen (kein Alleinvermittlungsauftrag).
2. ***Z*** ist Geschäftsführer und 50%-iger Gesellschafter der beschwerdeführenden ***Bf1***, deren Geschäftszweig lt. Firmenbuch unter anderem der An- und Verkauf von Immobilien ist. Die bP verfügt über die Gewerbeberechtigung "Immobilienmakler".
3. Sämtliche Vermittlungsgeschäfte, bei denen ***Z*** tätig wird, werden nach seiner Stellungnahme vom 5.1.2022 ausschließlich im Namen der bP abgeschlossen.Die Verwendung des Briefpapiers und der Geschäftsräumlichkeiten der bP weisen darauf hin, dass auch in diesem Fall ***Z*** gegenüber dem Ehepaar ***A*** als Vertreter der bP auftrat. Das Kaufanbots-Formular, trägt auf jeder Blattseite am unteren Rand den Namen der beschwerdeführenden Partei. Auf der ersten Seite findet sich der Satz: "Die Käuferseite unterbreitet der Verkäuferseite das nachfolgende verbindliche Anbot, wobei das Maklerunternehmen ***Bf1*** mit dessen Übermittlung beauftragt wurde:"
4. ***Z*** teilte dem Ehepaar ***A*** und deren Tochter mit, dass ein einheimischer Geschäftsmann die Liegenschaft für seine Tochter kaufen wollte, damit diese in ***M*** bleibt. Allerdings sei der Kaufpreis von 1,5 Mio für einen Einheimischen zu hoch.Am 22.5.2021 fand eine gemeinsame Besichtigung der zu veräußernden Liegenschaft durch das Ehepaar ***A*** und ***Z*** statt. Bei dieser Besichtigung nahm das Ehepaar das Kaufanbot des Kaufinteressenten ***Y*** ("oder seiner GmbH") mit einem Kaufpreis von 1,3 Mio an. Dabei wurde erklärt, dass ***Y*** ein Freund von ***Z*** ist.Die Regelung der Maklerprovision wurde lt. Stellungnahme von ***Z*** auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
5. Am 29.5.2021 fand eine Besprechung des Ehepaars ***A*** mit ***Z*** in den Geschäftsräumlichkeiten den bP statt. Das Ehepaar ersuchte um eine Reduktion der Provision, weil die Kaufabwicklung ohne größeren Aufwand erfolgt sei. ***Z*** bot daher an, als Maklerprovision anstatt 46.800 Euro (inkl. 20% USt; der Nettobetrag von 39.000 errechnet sich aus 3% des Kaufpreises) den Betrag von 35.000 Euro ohne Ausstellung einer Rechnung in bar zu akzeptieren.
6. Am 11.6.2021 wurde die ***W*** ***M*** GmbH errichtet. Alleingesellschafter dieser GmbH war ***Y***; RA Mag. ***X*** nahm die Anmeldung im Firmenbuch vor.
7. Am 12.7.2021 wurde der von RA Mag. ***X*** errichtete Liegenschaftskaufvertrag vom Ehepaar ***A*** unterschrieben. Als Käuferin trat die ***W*** ***M*** GmbH auf.
8. Am 2.9.2021 übergab das Ehepaar ***A*** in den Geschäftsräumlichkeiten der bP eine Barzahlung des Maklerhonorars iHv. 35.000 EUR an ***Z***. Dieser folgte dem Ehepaar ***A*** keine Zahlungsbestätigung aus, aber übergab ein Schriftstück mit folgendem Inhalt:"Ich ***Z***, ***Bf1*** ***M*** versichere, dass ich oder die erwähnte Gesellschaft keinerlei Ansprüche egal welcher Art oder Grund oder Titel an ***C*** und oder ***D*** ***A*** ***N*** hat oder bestehen würden."Unterfertigt: Stempel ***Bf1*** und Unterschrift ***Z***."
9. Mit Abtretungsvertrag vom 2.9.2021 (errichtet von RA Mag. ***X***) erwarb ***Z*** 51% der Anteile an der ***W*** ***M*** GmbH von ***Y***.
10. Mit Schreiben des an der Kaufabwicklung beteiligten Notars Dr. ***E*** vom 5.11.2021 an ***Z*** forderte das Ehepaar ***A*** die an ***Z*** gezahlte Maklerprovision mit der Begründung zurück, dass nachträglich betrachtet ein wirtschaftliches Eigengeschäft vorliege.
11. Im E-Mail vom 12.11.2021 schrieb Mag. ***X*** ,der Rechtsanwalt von ***Z***, an Notar ***E***: "Mein Mandant hat mir Ihr Schreiben vom 05.11.2021 übergeben, mit dem Sie die von den Eheleuten ***A*** an meinen Mandanten bezahlte Provision in Höhe von EUR 35.000,00 für die Vermittlung des Kaufgeschäftes mit der ***W*** ***M*** GmbH zurückfordern und ist diese (Rück)Forderung nicht ansatzweise nachvollziehbar und auch gerechtfertigt. Sie behaupten in Ihrem Schreiben, dass gegenständlich ein wirtschaftliches Eigengeschäft vorliegen würde, wobei ich davon ausgehe, dass Sie sich diesbezüglich auf die Bestimmung des § 6 Abs. 4 MaklerG beziehen, wonach dem Makler gegebenenfalls dann keine Provision zusteht, wenn er selbst Vertragspartner des Geschäftes wird bzw. ist. Ein solcher Fall liegt hier in keinster Weise vor, schon aus den von Ihnen grundsätzlich richtig dargestellten zeitlichen Abläufen ist klar ersichtlich, dass mein Mandant beleg- und nachvollziehbar erst nach Verbücherung des Kaufvertrages zwischen der ***W*** ***M*** GmbH und Ihren Mandanten am 09.08.2021 (Datum entsprechender Grundbuchsbeschluss) und somit nach Entstehen des Provisionsanspruches Mitgesellschafter der ***W*** ***M*** GmbH geworden ist, wobei diesbezüglich völlig andere Überlegungen, als die gegenständliche Provision, eine Rolle gespielt haben."
12. Mit Notariatsakt vom 21.12.2021 traten ***Z*** und ***Y*** sämtliche Anteile an der ***W*** ***M*** GmbH an zwei Immobiliengesellschaften ab. Der Abtretungsvertrag wurde von RA Mag. ***X*** errichtet.***Z*** erklärte für diesen Vorgang im Jahr 2022 Einkünfte aus Kapitalvermögen iHv. 1.009.804,97 Euro.
13. Der Gesellschafter-Geschäftsführer ***Z*** hat vom Ehepaar ***A*** am 2.9.2021 das Entgelt iHv. 35.000 Euro für eine Leistung der beschwerdeführenden GmbH entgegengenommen und diese nicht an die beschwerdeführende GmbH abgeführt, sondern sie für sich behalten. Die bP hat diesbezüglich keine Einnahme verbucht.
Die Sachverhaltsfeststellung 1., ergibt sich aus dem übereinstimmenden Vorbringen des Ehepaares ***A*** und ***Z***.
Die Sachverhaltsfeststellungen 2., 6., 9. und 12. ergeben sich der Abfrage im Firmenbuch und im Abgabeninformationssystem der Finanzverwaltung.
Die Sachverhaltsfeststellung 3. ergibt sich aus der Stellungnahme von ***Z*** und ist nicht strittig.
Die Sachverhaltsfeststellung unter 4., dass ***Z*** vorgab, dass ein Interessent die Liegenschaft für dessen Tochter und deren Familie kaufen wolle, ergibt sich aus der Erklärung des Ehepaares ***A***, der damit übereinstimmenden Zeugenaussage von ***B*** und schließlich dem Vorbringen von ***Z*** in der mündlichen Verhandlung.
Die Sachverhaltsfeststellung 5., dass ***Z*** dem Ehepaar ***A*** bei der Besprechung am 29.5.2021 anbot, anstatt 46.800 Euro (inkl. 20% USt) den Betrag von 35.000 Euro in bar und ohne Rechnung zu bezahlen, ergibt sich aus der eidesstattlichen Erklärung des Ehepaares ***A*** und der handschriftlichen Notiz auf dem Firmenpapier der bP, auf der zum Punkt Maklerprovision die Beträge von 39.000, darunter 7.800 (das sind 20% von 39.000) und die Summe daraus (46.800) durchgestrichen sind und darunter der Betrag von 35.000 umrandet dargestellt ist.Die handschriftliche Notiz war laut der Erklärung der Ehegatten ***A*** von ***Z*** bereits vorbereitet. Als das Thema Maklerprovision besprochen wurde, hat ***Z*** die tarifmäßigen Beträge durchgestrichen, den Betrag 35.000 eigenhändig dazugeschrieben und den Ehegatten ***A*** angeboten, anstelle der Provision im Betrag von 46.800 Euro den Betrag von 35.000 Euro ohne Ausstellung einer Rechnung in bar zu bezahlen.
In der Sachverhaltsdarstellung von ***Z*** vom 16.1.2023 bringt dieser vor, dass aufgrund der Reduktion des Kaufpreises um 200.000 Euro das Ehepaar ***A*** von ihm auch eine Reduktion der Vermittlungsprovision gefordert habe. Am 29.5.2021 habe er 35.000 brutto in Aussicht gestellt. Da es nach dem 29.5.2021 Rücktrittsdrohungen gegeben habe, habe ***Z*** auf die Maklerprovision verzichtet, um die Transaktion nicht zu gefährden. ***Z*** ist der Trauzeuge und ein Freund von ***Y***, welcher nach dem Vorbringen von ***Z*** die Liegenschaft für seine Tochter erwerben habe wollen.
Dieses Vorbringen von ***Z*** steht in Widerspruch zur Zeugenaussage von ***B*** und der eidesstattlichen Erklärung des Ehepaares, wonach eine Provision dem Grunde nach nie strittig gewesen sei, sondern nur der Höhe nach.
Dieses Vorbringen erscheint dem Bundesfinanzgericht unglaubwürdig, weil eine Maklerprovision iHv. 35.000 angesichts eines Kaufpreises von 1,3 Mio Euro wirtschaftlich nicht derart ins Gewicht fällt, dass sie ausschlaggebend für die Entscheidung zu einem Vertragsabschluss wäre. Zweites ist es ungewöhnlich, wenn ein Immobilienmakler auf seine Maklerprovision verzichtet und es entspräche erfahrungsgemäß nicht den typischen kaufmännischen Gepflogenheiten.Gegen die Sachverhaltsdarstellung von ***Z*** spricht weiters sein Vorgehen in den Verkaufsvorgängen:
• Drei Wochen nach Unterfertigung des Kaufanbotes errichtete der mit ihm befreundete ***Y*** eine GmbH, welche in das Kaufanbot einstieg. Es wurde vorgebracht, dass das Haus der Familie der Tochter von ***Y*** als Wohnsitz dienen solle.
• Eineinhalb Monate nach Unterfertigung des Kaufvertrages trat ***Y*** 51% der GmbH-Anteile an ***Z*** ab, welcher weniger als drei Monate später diese Anteile an fremde Dritte verkaufte und so einen Gewinn von über einer Million Euro erzielen konnte. ***Y*** selbst erzielte aus der Anteilsabtretung einen etwa halb so hohen Gewinn.
Dieses gesamte Vorgehen gibt Anlass zur Vermutung, dass ***Z*** und ***Y*** von Anfang an einen gemeinsamen Plan mit dem Liegenschaftserwerb verfolgten.
Es widerspricht der Lebenserfahrung, dass einer Person außerhalb des engen Familienkreises GmbH-Anteile zu einem solchen Kaufpreis übertragen werden, der es dieser Person ermöglicht (ohne großes Risiko) drei Monate später einen Gewinn von einer Million Euro zu erzielen. In der mündlichen Verhandlung erklärte ***Z*** den Erwerb der GmbH-Anteile damit, dass ***Y*** von der Bank eine Absage für die Finanzierung erhalten habe. ***Z*** habe deshalb die Mithaftung für den Kredit bei der Sparkasse übernommen. Es sei vereinbart gewesen, dass die Liegenschaft verkauft werde, sofern die Rückzahlung des Kredits über die Vermietung der Wohnungen nicht funktioniere. ***Z*** gab an, dass er die Liegenschaft nicht langfristig finanzieren und die Haftung übernehmen habe wollen. Das Gebäude ist ein Einfamilienhaus mit zwei Einliegerwohnungen. Den guten Preis für den Verkauf der GmbH-Anteile erklärte ***Z*** in der mündlichen Verhandlung damit, dass die Liegenschaft von ihm entwickelt worden sei, das heißt es sei ein Abbruch und Neubau mit einer Verdoppelung der Kubatur geplant gewesen.
Nach Ansicht des Bundesfinanzgericht hätte sich das Ehepaar ***A*** beim Treffen am 2.9.2021 erwarten dürfen, dass ***Z*** ihnen offenlegt, warum er am selben Tag 51% der Anteile an der ***W*** ***M*** GmbH erwarb. Schließlich waren dem Ehepaar schon vor der Unterschrift unter den Kaufvertrag im Dorf Gerüchte zugekommen, wonach ***Z*** die Liegenschaft für sich selbst erwerben wollte.
Weiters leugnet ***Z*** einen Immobilienmaklerauftrag vom Ehepaar ***A*** angenommen zu haben, obwohl er in der Sachverhaltsdarstellung vom 16.1.2023 darlegte, dass er von den Verkäufern am 29.5.2021 ursprünglich eine Maklerprovision iHv. 46.800 forderte, die er dann auf 35.000 reduzierte. Die Forderung einer Maklerprovision deutet auf das gültige Zustandekommen eines Immobilienmaklervertrages hin, auch wenn dieser unstrittig nicht schriftlich geschlossen wurde.
Die Sachverhaltsfeststellung in den Punkten 8 und 13., dass ***Z*** am 2.9.2021 vom Ehepaar ***A*** 35.000 Euro in bar für die Vermittlung des Liegenschaftsverkaufs entgegengenommen hat, basiert auf den vom Finanzamt mit dem Vorlagebericht vorgelegten Akten, vor allem der eidesstattlichen Erklärung des Ehepaares ***A***, der handschriftlichen Notiz vom 29. 5.2021, der schriftlichen Zeugenaussage von ***B*** und dem Schreiben des Rechtsanwaltes Mag. ***X*** vom 12.11.2021 und wird als erwiesen angenommen.
Die Feststellung, dass der Geldbetrag bei der bP nicht als Einnahme verbucht wurde, ergibt sich aus den vom Finanzamt betreffend die Außenprüfung vorgelegten Akten.
Die eidesstattliche Erklärung des Ehepaares ***A*** vom 16.2.2022 hat im wesentlichen folgenden Wortlaut: "Wir…erklären an Eides statt, dass wir an Herrn ***Z*** am 2.9.2021 in seinem Büro in ***M*** den Barbetrag von € 35.000 als Abfindung für seinen Honoraranspruch aus der Vermittlung des Kaufvertrages über unsere Liegenschaft in ***M***, ***O***,übergeben haben. Weitere Personen waren nicht anwesend. Anlässlich der Geldübergabe hat uns Herr ***Z*** über unsere Aufforderung nachstehende Bestätigung ausgestellt, wonach uns gegenüber keine Forderungen des Herrn ***Z*** bzw. der ***Bf1*** bestehen: …"
Eine Tatsache kann in freier Beweiswürdigung bereits als erwiesen angenommen werden, wenn sie von allen in Betracht kommenden Möglichkeiten die größte Wahrscheinlichkeit für sich hat (VwGH 14. 11. 1990, 86/13/0059).Von den divergierenden Sachverhaltsdarstellungen hat die Darstellung des Ehepaares ***A*** und ihrer Tochter in freier Beweiswürdigung die überragende Wahrscheinlichkeit für sich und lässt die Möglichkeit, dass ***Z*** nicht 35.000 Euro in bar erhalten hat, weniger wahrscheinlich erscheinen.
Das Bundesfinanzgericht kann keinen hinreichenden Grund erkennen, weshalb das Ehepaar ***A*** -unterstützt durch einen Notar- eine wahrheitswidrige eidesstattliche Erklärung abgeben und damit einen gewichtigen Straftatbestand setzen sollte.Durch die Übermittlung der Sachverhaltsdarstellung an die Abgabenbehörde hat das Ehepaar ***A*** Herrn ***Z*** der Gefahr einer behördlichen Verfolgung in Zusammenhang mit einer Abgabenhinterziehung ausgesetzt. Wenn das Ehepaar ***A*** gewusst hätte, dass die Verdächtigung falsch ist, hätte es sich der Verleumdung schuldig gemacht, die gemäß § 297 StGB mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bedroht ist.
Ein Indiz für die Bargeldübergabe am 2.9.2021 ist das Schreiben des RA Mag. ***X*** vom 12.11.2021, in dem der Zufluss von 35.000 Euro an ***Z*** nicht bestritten wurde, sondern nur dem Argument des "wirtschaftlichen Eigengeschäftes" entgegengetreten wurde. ***Z*** hatte das Schreiben des Notars ***E*** mit der Rückforderung der Provision mit E-Mail vom 11.11.2021 wie folgt beantwortet und in "cc" an seinen Rechtsanwalt geschickt:"Ihr Schreiben wird als gegenstandslos zurückgewiesen und teile ich Ihnen mit, dass ich rechtsfreundlich von RA Mag. ***X*** vertreten werde und bitte ich Sie sich bei weiteren Fragen an ihn zu wenden. (gezeichnet ***Z***)."
Es erscheint dem Bundesfinanzgericht ungewöhnlich und schwer mit den Gepflogenheiten im Rechtsverkehr in Einklang zu bringen, dass ***Z*** das Schreiben des Notars mit der Rückforderung der Maklerprovision ohne Kommentar zur Frage des Zuflusses des Geldes an seinen Rechtsanwalt weitergeleitet und dieser wiederum keinerlei Rücksprache zum Sachverhalt mit seinem Mandaten gehalten haben soll, wodurch er einem Missverständnis unterlegen sein soll. Die Wendung "schon aus den von Ihnen grundsätzlich richtig dargestellten zeitlichen Abläufen" im Schreiben von RA Mag. ***X*** deutet zudem darauf hin, dass dem Rechtsanwalt die zeitlichen Abläufe und der Sachverhalt von ***Z*** bestätigt wurden und nicht nur mit E-Mail vom 11.11.2021 das Schreiben des Notars weitergeleitet wurde.
Ungeklärt bleibt, weshalb ***Z*** das angebliche Missverständnis nicht zeitnah aufgeklärt hat, schließlich hat er das Schreiben des Rechtsanwaltes vom 12.11.2021 am selben Tag per E-Mail erhalten. Ein kurzes E-Mail an den Notar und den Rechtsanwalt zur Klarstellung des wesentlichen Sachverhaltes wäre nach Ansicht des Bundesfinanzgerichtes naheliegend gewesen. Erst am 5.1.2022, im Zuge der abgabenrechtlichen Prüfungsmaßnahmen, leugnete ***Z*** überhaupt eine Zahlung erhalten zu haben.Der Verwaltungsgerichtshof judiziert in ständiger Rechtsprechung, dass die Erstaussage die größte Glaubwürdigkeit für sich hat (z.B. VwGH 21.12.1992, 89/16/0147 und VwGH 15.12.1987, 87/14/0016). Daher wird dem Schreiben des Rechtsanwaltes vom 12.11.2021 mehr Glaubwürdigkeit zugemessen, als der Behauptung ab 5.1.2022, als ***Z*** abgabenrechtliche und finanzstrafrechtliche Konsequenzen vergegenwärtigen musste.
Die Entgegennahme von Schwarzgeld durch den Gesellschafter-Geschäftsführer ***Z*** für Leistungen der beschwerdeführenden GmbH stellt eine verdeckte Gewinnausschüttung dar.
Verdeckte Ausschüttungen stellen als sonstige Bezüge aus Anteilen an Gesellschaften mit beschränkter Haftung (§ 27 Abs. 2 Z 1 lit. a EStG 1988) inländische Kapitalerträge im Sinne des § 93 Abs. 2 Z 1 EStG 1988 dar.
Gemäß § 93 Abs. 1 EStG 1988 wird bei inländischen Kapitalerträgen die Einkommensteuer durch Steuerabzug erhoben (Kapitalertragsteuer).
Gemäß § 95 Abs. 1 EStG 1988 ist Schuldner der Kapitalertragsteuer der Empfänger der Kapitalerträge. Der Abzugsverpflichtete (Abs. 2) haftet dem Bund für die Einbehaltung und Abfuhr der Kapitalertragsteuer. Abzugsverpflichteter ist gemäß § 95 Abs. 2 Z 1 lit. a EStG 1988 der Schuldner der Kapitalerträge, das ist in diesem Fall die bP als ausschüttende Körperschaft.
Die belangte Behörde hat zu Recht die bP zur Haftung für die Kapitalertragsteuer herangezogen, daher war die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
Gegen ein Erkenntnis des Bundesfinanzgerichtes ist die Revision zulässig, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofes nicht einheitlich beantwortet wird.Im gegenständlichen Fall waren keine Rechtsfragen von grundsätzlicher Bedeutung zu klären. Fragen der Beweiswürdigung haben keine über den Einzelfall hinausgehende Bedeutung.Eine ordentliche Revision ist daher nicht zulässig.
Innsbruck, am 3. März 2026
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